Die Einehe gilt längst nicht in allen menschlichen Kulturen als sittliche und gesetzliche Norm. Im Tierreich sind entsprechende Paarbildungen sogar die Ausnahme. Der soziobiologische Ansatz untersucht die evolutiven Bedingungen, unter denen Monogamie für weibliche und männliche Individuen dennoch die optimale Form des Zusammenlebens ist.
Tiere, die in Einehe leben, interessieren besonders. So erweckte Konrad Lorenz (1903 bis 1989), der Begründer der vergleichenden Verhaltensforschung, mit seinen Untersuchungen des Soziallebens von Graugänsen von Anfang an viel Aufmerksamkeit sowohl unter Biologen wie weithin in der Öffentlichkeit: Es überraschte, daß Gänse nicht nur Paarbindungen eingehen (unter günstigen Umständen sogar lebenslange), sondern auch – wie Lorenz es nannte – eine Verlobungszeit haben. Das heißt, sie verpaaren sich lange bevor sie geschlechtlich aktiv werden; und nach ergebnisloser Suche nach dem verlorenen Partner scheinen sie sogar um ihn zu trauern.
Die Arbeiten von Lorenz haben wir in dem von ihm bis 1973 geleiteten Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie in Seewiesen weitergeführt, allerdings nun mit dem Rüstzeug der Soziobiologie, die in den sechziger und siebziger Jahren entwickelt worden ist. Jetzt ging es nicht mehr vorrangig um die Verhaltensmechanismen, die dem Zusammenbleiben und der gegenseitigen Treue der Paarpartner zugrunde liegen; gesucht wurden vielmehr die spezifischen Umweltbedingungen, mit denen man erklären könnte, weshalb sich bei den Gänsen in der Evolution die Monogamie anstelle von anderen Eheformen, wie Polygamie (Vielweiberei oder Vielmännerei), oder auch Unehigkeit, durchgesetzt hat.
Im Ganzen gesehen ist Monogamie eher selten, kommt allerdings bei einzelnen Tiergruppen häufiger vor. Man spricht üblicherweise in der Ethologie bereits dann von Monogamie, wenn Männchen und Weibchen jeweils nur für eine Fortpflanzungssaison zusammenbleiben, wie bei vielen Singvögeln, die sich jedes Frühjahr neu verpaaren.
Eine – praktisch lebenslange – Dauerehe ist noch seltener. Immerhin finden sich Beispiele in den verschiedensten Klassen des Tierreichs, bei manchen Wirbellosen ebenso wie bei einer Reihe von Fischen und Vögeln sowie bei den Säugetieren (wenn auch dort allenfalls bei drei Prozent der Arten). Von den Primaten leben – außer manchen