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Magazin | 01.09.1996

Neuropsychologie des menschlichen Gedächtnisses

Hans Markowitsch
Allmählich beginnt man zu verstehen, welche Strukturen und Systeme des menschlichen Gehirns Aufgaben beim Einspeichern und Erinnern erfüllen und wie sie zusammenwirken.
Das Gedächtnis erst läßt uns den Lebensalltag gestalten und ihm Sinn geben. Weil es die Vergangenheit in die Gegenwart holt und dieser so Bedeutung verleiht, ermöglicht es angepaßtes Handeln wie auch eine Ausrichtung auf die Zukunft. Ohne diese zentrale Gehirnleistung fehlte der Bezug zur Welt, könnte der Mensch als integrierte Persönlichkeit nicht existieren - schon gar nicht in der Gemeinschaft, die immer auch ihre Geschichte hat.

Das Gedächtnis entlastet zudem von geistiger Anstrengung. Dank seiner vermag man etwa Routinehandlungen mehr oder weniger ohne zu denken auszuführen. Aber gerade weil dabei verschiedene Hirnebenen mitwirken, die teils hierarchisch arbeiten, und viele Strukturen, die oftmals nur im Verbund ihre Aufgaben erfüllen, lassen die einzelnen Vorgänge sich nicht leicht bestimmten neuronalen Systemen zuordnen. Zwar vermögen fast alle vielzelligen Tiere Wahrnehmungsinhalte abrufbar zu speichern; und an der Erforschung dieser Fähigkeit sind denn auch verschiedenste wissenschaftliche Disziplinen von der Molekularbiologie bis zur Verhaltensphysiologie beteiligt. Dennoch ist bisher die Gesamtorganisation des hochentwickelten menschlichen Gedächtnisses erst ansatzweise verständlich.

Neuerdings kristallisieren sich indes in der psychologischen und neurologischen Gedächtnisforschung einige Zusammenhänge deutlicher heraus. Ein Großteil dieser Erkenntnisse stammt von Patienten mit Gedächtnisausfällen; und in jüngster Zeit vermitteln auch die neuen bildgebenden Verfahren, die das Gehirn gewissermaßen in Aktion anschauen lassen, aufschlußreiche Einblicke in Gehirnaktivitäten.

Im folgenden möchte ich an Beispielen aus eigenen Untersuchungen entwerfen, wie das Gedächtnis insgesamt sich nach solchen neueren Erkenntnissen aus neuropsychologischer Sicht darstellt. Allmählich klärt sich, welche anatomischen Strukturen beim Einspeichern und beim Abruf mitzuwirken scheinen.

Mit vielen meiner Kollegen bin ich der Meinung, daß es mehrere
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