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Magazin | 01.06.1997
TRENDS IN DER KLIMAFORSCHUNG

Droht Land unter?

David Schneider
Alarmierenden Szenarien zufolge könnten durch eine globale Erwärmung, die der Mensch mit dem Ausstoß von Treibhausgasen in die Atmosphäre verursacht, die Eiskappen auf der Antarktis und Grönland abschmelzen. Schon im kommenden Jahrhundert würden dadurch weite küstennahe Gebiete überflutet. Noch aber läßt sich schwer abschätzen, wie real die Gefahr ist.
Viele wurden vor dem Morgengrauen durch das Heulen von Luftalarmsirenen geweckt, andere durch das Läuten von Kirchenglocken. Einige registrierten nur ein fernes Klingen und schliefen wieder ein. Doch vor Ablauf dieses Tages - es war der 1. Februar 1953 - erfuhren mehr als eine Million Niederländer am eigenen Leib, wem die Signale gegolten und wovor sie gewarnt hatten.

Mitten in der Nacht war durch ein verhängnisvolles Zusammenwirken von Wind und Gezeiten das Meer bis zum Rand der Schutzdeiche angestiegen, die das großenteils unter dem Meeresspiegel liegende Land gegen die Nordsee abriegeln (Bild 1). Während die Bewohner der nahegelegenen Dörfer schliefen, begann das überschwappende Wasser die Erdwälle von der Rückseite her zu unterspülen. Schließlich brachen die Dämme, und die See ergoß sich bis zu 64 Kilometer weit ins Inland. Sie überschwemmte ein Sechstel der Niederlande. Mehr als 200000 Hektar Äcker und Weiden verschwanden unter den salzigen Fluten. An die 2000 Menschen starben und rund 100000 wurden obdachlos.

Die Erinnerung an diese Katastrophe war in der Bevölkerung noch lebendig, als ein Vierteljahrhundert später Wissenschaftler vor einem drohenden Anstieg der Weltmeere um einige Meter zu warnen begannen. Und so nahmen die niederländischen Raumplaner die Befürchtungen besonders ernst, daß eine von fast al-len Experten vorausgesagte Erwärmung der Erdoberfläche durch die Anreicherung von Kohlendioxid und anderen Infrarotstrahlung einfangenden Treibhausgasen in der Luft auch die Gefahr schwerer Überschwemmungen berge.

Einer der Gründe ist, daß sich mit der Erdatmosphäre allmählich auch die Ozeane aufheizen. Meerwasser aber dehnt sich wie fast alle Substanzen mit steigender Temperatur aus. Dieser Effekt allein könnte ausreichen, den Meeresspiegel innerhalb der nächsten 100 Jahre um mindestens 30 Zentimeter anzuheben.

Den zweiten Grund illustrieren viele Alpentäler. Wo sich vor ein bis zwei Jahrhunderten noch mächtige Eiszungen erstrec
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