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Magazin | 01.01.2000

Der Gesang des Dodo. Eine Reise durch die Evolution der Inselwelten.

Dr. Matthias Glaubrecht
Aus dem Englischen von Ulrich Enderwitz. Claassen, München 1998. 974 Seiten, DM 78,–.
Vor gut 400 Jahren, 1598, erreichten holländische Seefahrer auf dem Weg nach Ostindien die kleine Insel Mauritius im Indischen Ozean. Zurückgekehrt berichteten sie von einem dort lebenden "widerlichen Vogel": schwanengroß, flugunfähig, rund und unansehnlich mit seinen kurzen Beinen und dem dicken Rumpf, unbeholfen und lächerlich mit den winzigen Flügelstümpfen und seinem riesigen Hakenschnabel im nackten Gesicht und überdies mit einem Fleisch, das "immer ungenießbarer wird, je länger man es kocht": Das war der Dodo Raphus cucullatus.

Seine mangelnde Eignung für die Küche hat ihn nicht gerettet. Die Seefahrer und die von ihnen eingeschleppten Schweine, Katzen und Ratten stellten ihm so nach, daß er kaum 100 Jahre später ausgestorben war. Und das Interesse der Zeitgenossen und Nachfahren hielt sich in engen Grenzen: Ein Fuß im Britischen Museum, ein Schädel in Kopenhagen, ein Fuß und ein Kopf in Oxford, ein später aus den Knochen verschiedener Exemplare zusammengesetztes Skelett im Museum in Durban (Südafrika), wenige Zeichnungen und Augenzeugenberichte – das ist alles, was uns vom Dodo blieb. Sein Gesang, wenn es denn einen gab, ist für immer verloren.

Der Drontenvogel, von dem man bis heute nicht weiß, ob er näher mit den Rallen oder den Tauben verwandt war, wurde zum Sinnbild für den rücksichtslosen Umgang des Menschen mit der Natur, für den mittlerweile allgegenwärtigen Artenschwund und insbesondere für das Verschwinden von Inselformen. "As dead as a dodo", sagen Angelsachsen, wenn etwas unwiderruflich vorbei ist.

Im vorliegenden Buch, dessen Original die "New York Times" 1996 als bestes Sachbuch auszeichnete, macht der amerikanische Wissenschaftsautor und preisgekrönte Essayist David Quammen deutlich, daß Raphus cucullatus kein Ein
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