Die Anschläge mit Anthrax-Erregern haben ein lange vernachlässigtes Problem öffentlich gemacht: die Kontrolle biologischer Waffen. Sie wird umso dringlicher, je mehr sich in der Biologie neue Techniken durchsetzen.
Bis vor kurzem war Anthrax, so der medizinische Fachbegriff für Milzbrand, nur wenigen Spezialisten geläufig. Das hat sich auf dramatische Weise geändert. Die Anschläge mit verseuchten Briefen haben die Befürchtung hervorgerufen, biologische Waffen könnten gezielt für umfassende Terrorattacken eingesetzt werden.
Der Milzbrandbazillus,
Bacillus anthracis, gilt seit langem als möglicher Kandidat für eine Kriegführung mit biologischen Substanzen. Die Krankheit tritt gewöhnlich nur bei Tieren auf, vor allem bei Wiederkäuern und Schweinen. Menschen sind nur in Ausnahmefällen betroffen, und die Erkrankten gehören meist Berufsgruppen an, die mit Tierkörpern und -häuten in Berührung kommen. Normalerweise wird die Krankheit nicht von Mensch zu Mensch übertragen.
Was den Erreger als biologische Waffe interessant erscheinen lässt, ist seine hohe Ansteckungsfähigkeit und seine vergleichsweise kurze Inkubationszeit von einigen Stunden bis wenigen Tagen. Eine der markantesten Eigenschaften dieses Bakteriums ist seine Fähigkeit, so genannte Endosporen zu bilden. Eine solche Dauer-Ruheform gestattet es dem Erreger, lange Zeitphasen unter ungünstigen Bedingungen zu überleben; in dieser Form ist er weniger empfindlich gegenüber Hitze, Austrocknung oder Desinfektionsmitteln. Diese Eigenschaft erleichtert die Produktion, Lagerung und Verbreitung des Erregers als biologische Waffe. Zudem sind es die Endosporen und nicht die Bakterien, die infektiös wirken.
Eine Infektion mit dem Milzbranderreger kann über drei verschiedene Wege erfolgen: über direkten Kontakt mit der Haut, über das Einatmen der Endosporen oder durch den Verzehr von infiziertem Fleisch. Hautmilzbrand ist die mildeste Krankheitsform; sie kann erfolgreich mit Antibiotika behandelt werden. Lungen- und Darmmilzbrand hingegen zeigen einen schweren Krankhe