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Magazin | 01.02.2002
MILZBRAND

Früher Geißel, heute Biowaffe

Jean Freney und Willy Hansen
Seit einem halben Jahrhundert kennen die Industrieländer den einst häufigen Milzbrand praktisch nicht mehr. Nun verbreitet sein Erreger erneut Schrecken. Denn Bacillus anthracis eignet sich hervorragend als biologisches Geschütz: Mit relativ wenig Aufwand erzeugen seine Keime verheerende Wirkung.
Der griechische Held Herakles erlitt Höllenqualen, als er ein Hemd anlegte, das seine Gattin Dejanira im Glauben an einen Liebeszauber mit dem Blut des Zentauren Nessos bestrichen hatte. So rächte sich der Zentaure dafür, dass Herakles ihn tödlich verwundet hatte, weil er Dejanira Gewalt antun wollte. Das Nessoshemd zerfraß das Fleisch des Helden, der sich darum verbrennen ließ.

Erzählt diese Sage vom Milzbrand? Die Krankheit wurde noch im 19. Jahrhundert oft durch wollene Kleidungsstücke übertragen, wie auch durch Decken und Tierhäute. In der Antike beschrieb sie schon der griechische Arzt Hippokrates, der um 460 bis um 370 vor unserer Zeitrechnung lebte. Die Seuche war auch im alten Ägypten bekannt und war wahrscheinlich eine der sieben Plagen, von denen die Bibel erzählt. Dass der Milzbrand im alten Rom häufig auftrat, berichten die Dichter Lukrez (um 97-55 v. Chr.) und Vergil (70-19 v. Chr.). Vergil wusste bereits, dass der Mensch ihn sich bei Schafen holt.

Charakteristisch für die Erkrankung sind schwarzes Blut und eine wie verbrannt wirkende Milz. Franzosen sprechen vom kohligen Fieber oder sagen einfach Kohle - "charbon" -, Engländer haben die Bezeichnung "anthrax", das griechische Wort für Kohle, im Deutschen noch als Anthrazit in Erinnerung. Es gab dafür viele Namen, darunter persisches Feuer oder auch sibirische Pest und kohlige Pest, obwohl der Milzbrand zwar Beulen erzeugt, mit der eigentlichen Pest aber nichts zu tun hat.

Hauptsächlich tritt Milzbrand bei Weidevieh auf, also bei Kühen, Schafen, Ziegen, Pferden, seltener auch bei Schweinen. Die Sporen des Erregers, Bacillus anthracis, überleben im Boden sehr lange und werden mit dem Futter aufgenommen.

Der Mensch steckt sich vor allem an, wenn er mit infizierter Wolle, mit Häuten oder Leder hantiert. Dringen die Sporen durch kleine Hautwunden e
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