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Magazin | 01.02.2003
GLOBALE ERWÄRMUNG

Auf dünnem Eis

Charles R. Bentley und Robert A. Bindschadler
Der künftige Anstieg des Meeresspiegels hängt vor allem davon ab, wie schnell die gewaltige Eisdecke der Antarktis schrumpft – eine heiß umstrittene Frage, in der sich endlich ein Konsens abzeichnet.
Vor 12000 Jahren, als sich die Erde aus der Erstarrung der letzten Eiszeit löste, überschwemmten riesige Geschwader von Eisbergen den Nordatlantik. Es waren die Trümmer der zerfallenden Eismassen, die halb Nordamerika und Europa bedeckt hatten. Sie verdrängten so viel Wasser, dass der Meeresspiegel weltweit jahrzehntelang um mehr als einen Meter pro Jahr anstieg.

Während der zugefrorene Norden auftaute, blieb das Eis am Südpol im Wesentlichen intakt. Es umfasst heute neunzig Prozent des festen Wassers auf der Erde. Doch in Dutzenden von wissenschaftlichen Untersuchungen der vergangenen dreißig Jahre wurde davor gewarnt, dass der Eispanzer der Westantarktis (desjenigen Teils, der vorwiegend in der westlichen Hemisphäre liegt) nachträglich das gleiche Schicksal erleiden könne wie seine einstigen Gegenstücke im Norden - mit ebenso dramatischen Folgen. In diesem riesigen Eisspeicher sind mehr als drei Millionen Kubikkilometer Süßwasser eingefroren. Würde er komplett abtauen, stiege der Meeresspiegel weltweit um fünf Meter. Zahllose küstennahe Flachländer verschwänden in den Fluten, und viele der zwei Milliarden Menschen, die dort leben, wären gezwungen, sich ins Landesinnere zurückzuziehen.

Die meisten Experten sind sich seit langem einig, dass die Eisdecke der Antarktis während der vergangenen Jahrtausende deutlich geschrumpft ist. Damit trug sie zum weiteren Anstieg des Meeresspiegels bei, als die Nordhalbkugel schon weitgehend abgetaut war. Einigkeit herrscht auch darüber, dass der Eispanzer auf der Ostseite des Kontinents relativ stabil ist. Doch im Westen macht ihn ein anderer Untergrund viel mobiler und unberechenbarer. Deshalb stritten sich die Forscher bis vor kurzem darüber, ob die westantarktische Eisdecke in naher Zukunft - in einigen Jahrhunderten oder noch früher - kollabieren wird. Ist ihr Zusammenhalt durch mächtige Eisströme gefährdet, die sich aus dem Inneren des Kontinents in Richtung Ross-See wälzen? Viele Experten - darunter e
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