Lawrence M. Krauss ist Professor an der Case Western Reserve University in Cleveland, Ohio, und dort Leiter des Center of Education
and Research in Cosmology and Astrophysics. Der Astrophysiker publizierte zahlreiche Bücher und erhielt viele Preise. In seiner Freizeit
trat er schon mit dem Cleveland Orchestra auf, war Jury-Mitglied beim Sundance Film Festival in Park City, Utah, und schrieb mehrere Artikel
für Spektrum der Wissenschaft. Richard Dawkins ist Professor für Public Understanding of Science an der University of Oxford in England. Für seine Bücher erhielt er Ehrenpromotionen in Literatur und Naturwissenschaft. Er ist Fellow der Royal Society sowie
der Royal Society of Literature. 2006 gründete er die Richard Dawkins Foundation for Reason and Science.
Lawrence M. Krauss, Richard Dawkins
24.08.2007
Gebet
Wissenschaft und Religion
Versöhnung oder Trennung?
Die Forscher Lawrence M. Krauss und Richard Dawkins diskutieren, wie Wissenschaftler mit Religion umgehen können. Eine Debatte auch über den Kreationismus
Krauss: Wir wollen darüber sprechen, was die primären Absichten eines Wissenschaftlers sind, der über Religion spricht oder schreibt. Ich frage mich, was wichtiger ist: die Unterschiede zwischen Wissenschaft und Religion dafür zu nutzen, um Wissenschaft zu lehren, oder zu versuchen, Religion an deren Stelle zu setzen. Ich neige eher dazu, mich auf das Erstere zu konzentrieren, und Sie wohl eher auf das Letztere. Ich sage dies, weil es – wenn jemand junge Menschen unterrichten will – klar sein sollte, dass er auf sie zugeht, dass er zu verstehen versucht, welchen Hintergrund sie haben, wenn er sie dazu »verführen« will, über Wissenschaft nachzudenken. Ich sage Lehrern oft, der größte Fehler läge in der Annahme, dass die Schüler von vornherein an ihren Lehrinhalten interessiert seien. Lehren ist in diesem Sinne verführen. Wenn man den Leuten hingegen sagt, dass ihre tiefsten Überzeugungen schlicht töricht seien – selbst wenn dies tatsächlich so wäre – und sie uns zuhören sollen, um die Wahrheit zu erfahren, so widerspricht dies elementaren pädagogischen Prinzipien. Wenn es stattdessen die vorrangige Absicht ist, Religion angemessen zu würdigen, dann mag es vielleicht hilfreich sein, die Leute zunächst zu schockieren, indem man ihre Glaubensgrundsätze in Frage stellt.
Dawkins: Dass ich Religion für schlechte Wissenschaft halte, während Sie denken, sie ergänze die Wissenschaft, heißt doch, dass wir uns in verschiedene Richtungen bewegen.
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