Zwischen fünf und zehn Prozent der Jungen in Deutschland werden
sexuell missbraucht – doch kaum jemand spricht darüber:
Angehörige verschließen die Augen, Therapeuten schenken Opfern keinen Glauben. Die Folge: Viele Betroffene bleiben in ihrer Not allein.
»Als ich meinem Therapeuten, mit dem ich eigentlich gut zurechtkam, erzählte, dass ich als Junge sexuell missbraucht worden sei, veränderte sich seine gesamte Haltung mir gegenüber. Es wurde ihm sichtlich unbehaglich und nach einigem Nachdenken sagte er: ›Es gibt nicht wenige Männer, die fantasieren, dass sie sexuell missbraucht wurden.‹« (Rolf, 34 Jahre)
Solche Erfahrungen machen Jungen und Männer, die sexuelle Übergriffe erdulden mussten, häufig, wenn sie sich Eltern, Freunden oder Fachleuten anvertrauen. Getreu dem Motto »Jeder weiß: Mädchen werden missbraucht – aber Jungen?« stoßen Betroffene oft auf Skepsis und Ablehnung. Dabei werden Dunkelfelduntersuchungen zufolge schätzungsweise fünf bis zehn Prozent aller Männer in ihrer Kindheit Opfer eines Sexualdelikts. Einige Studien sprechen sogar von bis zu 22 Prozent aller in Deutschland lebenden Männer ...
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