„Die ganze Bande auswechseln“, das scheint mir der Tenor des Jahres der Mathematik zum Thema Mathematiklehrer zu sein.
Wenn der eine oder andere Universitätsmathematiker aus der Elfenbeinperspektive meint derlei durchblicken lassen zu müssen, wundert man sich natürlich nicht wirklich.
Aber Herr Pöppe erfreut Monat für Monat unter anderem auch zahlreiche Mathematiklehrer mit klar geschriebenen Artikeln, die aus lebensnahen Themen die Mathematik herausdestillieren. Er trägt dabei auch vielfach zur Belebung des Mathematikunterrichts bei.
Welches Ziel er damit verfolgt, die Mathematiklehrer pauschal als Kretins zu klassifizieren, bleibt mir ein Rätsel.
Wenn man sich die gewaltigen Änderungen betrachtet, die der Mathematikunterricht in den letzten Jahren erfahren hat, dann ist offensichtlich, dass die Mathematiklehrer durchaus flexibel sind. Man kann die aktuellen Mathematiklehrer durchaus für einen anderen Unterricht gewinnen, allerdings müssen die Konzepte schon die Schulwirklichkeit berücksichtigen.
Dr. Bertram Maurer, Stuttgart
Antwort der Redaktion:Welch ein Missverständnis!
Nichts könnte mir ferner liegen, als pauschal die Mathematiklehrer zu beschimpfen. Dazu habe ich viel zu viele Mathematiklehrer kennengelernt und mit ihnen zusammengearbeitet, die ihren Beruf mit profunder Sachkenntnis, Fantasie, Eigeninitiative und gewaltigem Einsatz betreiben – den Autor des Leserbriefs eingeschlossen.
Ich habe die auf der Pressekonferenz zwischen den Zeilen deutlich herauszuhörende Grundaussage wiedergegeben – und ich fürchte, das ist etwas dran. Man trifft einfach zu viele Leute, die unter ihrem Mathematikunterricht gelitten haben – unter dem Unterricht, wohlgemerkt, nicht unter der eigenen Unfähigkeit.
Es hilft nichts: Da der Ekel vor der Mathematik in Deutschland ein – gesellschaftlich akzeptiertes – Standardgefühl ist und die meisten Menschen die Mathematik ausschließlich aus dem Schulunterricht kennen, liegt die Vermutung nahe, dass der Mathematikunterricht in Deutschland im Durchschnitt ekelerregend ist – so bitter das klingt.
Natürlich soll man sich vor dem Standardfehler hüten, diese Ekelgefühle auf die Person des Lehrers zu übertragen. "Die ganze Bande auszuwechseln" steht auch unter den Machern des Mathematikjahres nicht zur Debatte, und zwar nicht nur, weil es faktisch unmöglich wäre. Man traut den Mathematiklehrern einiges zu, wenn sich nur die Rahmenbedingungen ändern.
Dazu gibt es zum Beispiel die Fortbildungsinitiative
"Mathematik anders machen" der Telekom-Stiftung, die schon vor dem Jahr der Mathematik ins Leben gerufen wurde.
Christoph Pöppe
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