James J. Knierim ist Professor für Neurobiologie und Anatomie an der University of Texas in Houston.
James J. Knierim
14.03.2008
Orientierung
Im Koordinatensystem des Geistes
Überraschende Entdeckung: Spezialisierte Hirnzellen verfolgen unsere Bewegungen im Raum. Vielleicht verdanken wir es ihnen sogar, dass wir autobiografische Erinnerungen bilden.
Zweimal sind Sie schon in Berlin gewesen, und auch beim dritten Mal würden Sie gern wieder in dem netten, kleinen Hotel unweit des Alexanderplatzes absteigen. Sie erinnern sich noch dunkel an den Weg: Rechts in die schmale Seitenstraße in Richtung Hackesche Höfe, dann links halten, und irgendwann kommt da diese Kirche … Oder hätten Sie doch rechts abbiegen müssen?
Zum Glück hatten Sie bei Ihrer Anreise noch einen Blick auf den Stadtplan geworfen: Auf dessen Raster war der Alexanderplatz im Quadrat M24 eingezeichnet – Ihr Hotel in L25. Demnach müssen Sie doch rechts entlang, und siehe da: Nach einigen Minuten Fußmarsch haben Sie Ihr Ziel erreicht!
Die Frage, wie unser Gehirn komplexe Orientierungsleistungen vollbringt, beschäftigt Forscher schon seit Langem. Wie funktioniert das innere Navigationssystem? Die Entdeckung von so genannten Rasterzellen könnte jetzt helfen, das Rätsel unseres Orientierungssinns zu lüften: Diese spezialisierten Nervenzellen projizieren ein virtuelles Raster auf die Umgebung, das – vergleichbar mit den Planquadraten einer Karte – dem Gehirn hilft, die Navigation im Raum zu meistern ...
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Hafting, T. et al.:
Microstructure of a Spatial Map in the Entorhinal Cortex. In: Nature
436, 2005, S. 801-806.
Lipinski, C., Braus, D.:
Hippocampus. Klinisch relevante Schlüsselfunktionen.
Bad Honnef: Hippocampus Verlag 2004. Das Buch beleuchtet die komplexen Leistungen des Hippocampus aus neurophysiologischer, psychiatrischer und neuropsychologischer Perspektive.
Sargolini, F. et al.:
Conjunctive Representation of Position, Direction, and Velocity in
Entorhinal Cortex. In: Science 312, 2006, S. 758-762.
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