Ich rate dazu, angesichts des in Deutschland unternommenen Versuches, auf Kernenergie - inzwischen sogar auf den Bau neuer Steinkohlekraftwerke! - zu verzichten, Gelassenheit zu bewahren.
Auch wenn überall in der Welt neue Kernkraftwerke geplant und gebaut werden - in Finnland sogar mit Zustimmung der Sozialdemokraten - ist es vielleicht nicht verkehrt, daß in Deutschland der Versuch unternommen wird, auf Kernkraft zu verzichten.
Begründung: In ein paar Jahren wird sich ganz ohne Frage herausstellen, daß dieser Versuch zum Scheitern verurteit ist. Dies wird zu einer Renaissance der Kernenergie führen. Man kann eben einen Industriestaat, in dem Stahl erzeugt, Zement produziert, Aluminum geschmolzen, chemische Industrie betrieben wird ..., in dem im übrigen auch die normalen Bürger verlangen, daß sie ihre Computer jederzeit betreiben und jederzeit einen Fahrstuhl benutzen können und nicht nur, wenn der Wind weht oder die Sonne scheint, nicht auf verläßliche und bezahlbare elektrische Energie verzichten. In einer Zeit, in der die Menschheit wächst, in der in den Schwellenländern die Energienachfrage dramatisch steigt, was die Preise fossiler Energien auf immer neue Rekordhöhen treibt, ist die Kernenergie die einzige realistische Alternative, die die Menschheit hat.
Geradezu putzig habe ich übrigens den Vorschlag gefunden, elektrische Energie in Form von riesigen Druckluftspeichern zu speichern. Ein solcher Vorschlag kann wohl nur in einem Volk gemacht werden, in dem der naturwissenschaftliche Unterricht an den Schulen seit Jahrzehnten vernachlässigt wird: In einer naturwissenschaftlich gebildeteren Bevölkerung wüßten die Menschen, daß beim Komprimieren von Gasen in großem Maßstab Energie durch Wärmeentwicklung verloren geht, die nicht wiedergeholt werden kann. Druckluftspeicher dürften daher wohl kaum wirtschaftlich und effizient sein. Sie wären wahre Energieverschwender.
Reiner Vogels, Swisttal-Odendorf
Antwort der Redaktion:Zu dieser Frage wird derzeit auch auf unserem Blogportal wissenslogs.de diskutiert.
Doch unabhängig davon lohnt ein Abstecher zum Thema der Druckluftspeicher: Mit 40 bis 50 Prozent Wirkungsgrad sind sie tatsächlich Energieverschwender. Nützlich sind sie gleichwohl, wie die Praxis zeigt. Zwei Druckluftspeicherkraftwerke existieren bereits und sind nicht allein der Bildungsmisere zu verdanken. Der Energiekonzern EON betreibt das Kraftwerk im niedersächsischen Huntorf seit 1978 und sah Ende 1990er Jahre von Stillegungsplänen ab, weil der Bedarf für diese Technik gegeben war. Das derzeit zweite
Kraftwerk steht in McIntosh in den USA.
Mindestens ein Nachfolger ist schon in Planung: Der ebenfalls deutsche Energieversorger EnBW
arbeitet derzeit an einem weiteren Kraftwerk, das 2011 ans Netz gehen soll. Und betrachtet sich damit gar als Vordenker in der Energiebranche. Man darf ihm gute Gründe unterstellen, wenn er in diese Technik investiert.
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