Sie haben es wohl beide gewusst – Werner Heisenberg wie Lise Meitner. Beide gingen nicht in die USA, weil sie nicht in den Bau von Kernwaffen verstrickt werden wollten. Man darf nicht außer Acht lassen, dass der Nobelpreis kein Gottesurteil darstellt, sondern hinter demselben massive politische Interessen stehen. Er soll nämlich in erster Linie das Ansehen des schwedischen Königshauses mehren.
Nun trifft es sich aber zufällig, dass Schweden in beiden Weltkriegen neutral war. Deshalb war man auch nach beiden Kriegen bei der Preisvergabe sehr um diese Neutralität bemüht. Wäre Lise Meitner nach GB oder in die USA emigriert, sie hätte als Vertreterin einer alliierten Nation sicher den Preis bekommen – davon bin ich überzeugt. Aber was soll das Nobelkomitee mit einer Gastwissenschaftlerin, die sich ausgerechnet direkt in Schweden aufhält? Soll sich Schweden selbst ehren oder sich für erwiesene Großherzigkeit in Flüchtlingsfragen selbst beweihräuchern? Ich will mal zu der typisch "unreifen" Formulierung greifen "Wenn mich einer gefragt hätte": Also ich hätte auch in Anbetracht der prekären Lage mit "Nein" votiert. Es kann Lise Meitner – als Physikerin ist sie ja immerhin geschult, das Wichtige vom Nebensächlichen zu trennen – zumindest langfristig nicht entgangen sein, wie sie in ihrem Gastland wahrgenommen wurde.
Es heißt immer, sie wurde "gemobbt". Vielleicht war es etwas anderes. Vielleicht wollte man ihr bedeuten, wenn sie nach Preisen und Weltruhm strebt, dann sollte sie nicht ausgerechnet nach Schweden.