Frank Werblin und Botond Roska entdeckten in den 1990er Jahren
an der Universität von Kalifornien in Berkeley zusammen wichtige
neuronale Verschaltungen in der Netzhaut. Werblin hat dort eine
Professur für Neurowissenschaft. Roska ist heute Arbeitsgruppenleiter am Friedrich-Miescher-institut für biomedizinische Forschung in Basel.
Die Netzhaut schickt dem Gehirn gleichzeitig ein Dutzend verschiedene Filme. Sie enthalten jeweils Teilinformationen der visuellen Szene – die noch wesentlich mehr aufbereitet sind als bisher vermutet.
Früher verglichen Sinnesforscher unser Auge gern mit einer Filmkamera. Es erschien plausibel, sich vorzustellen, dass von der Linse gebündeltes Licht in der Netzhaut von Sinneszellen aufgefangen und von ihnen auf noch unbekannte Art in
jene elektrischen Signale umgewandelt wird, die dann über den Sehnerv ins Gehirn gelangen. Längst wissen die Physiologen, dass in der Netzhaut – oder Retina – wesentlich mehr geschieht, als die Signale von den Sinneszellen einfach weiterzugeben. Deren unterschiedliche Zellen leisten bereits selbst eine beträchtliche Vorverarbeitung, bevor sie irgendwelche Informationen ans Gehirn
schickt. Doch wie weit dieser Prozess tatsächlich reicht, ahnen die Forscher erst seit einigen Jahren.
Wir und unsere Kollegen erkannten inzwischen, dass die Netzhaut gewissermaßen eine Anzahl verschiedener, bereits recht komplexer Filme jeweils mit Teilsaspekten der Szene vorbereitet, die sie dann getrennt ans Gehirn leitet. Diese überraschende Einsicht kam uns bei Studien an Kaninchen. Deren Netzhaut ähnelt auffallend der des Menschen (auch bei Salamandern entdeckten wir ähnliche Vorgänge). Das Interessante an der Retina ist, dass...
Sie können den Artikel als
PDF-Datei abrufen (aus lizenzrechtlichen Gründen fehlen evtl. Abbildungen):
Sehchips: Elektronik fürs Auge • Seuchen: Die Welt nach Sars • Reportage: Leben mit Mukoviszidose • MM-Report: Gewebeersatz aus der Retorte – Woran die Forscher arbeiten – Wovon Patienten bereits... »
Spektrum Dossier bündelt Artikel, die bereits in dem Magazin Spektrum der Wissenschaft erschienen sind, zu einem bestimmten Thema. Verpassen Sie keine Ausgabe und sparen Sie gegenüber dem Einzelkauf. »