Robin E. Bell ist Direktorin des Programms Advance am Geoinstitut der Columbia-Universität in New York. Außerdem leitet sie am dortigen Lamont-Doherty Earth Observatory ein groß angelegtes Forschungsprojekt in der Antarktis. In den eisigen Kontinent hat sie bereits sieben größere aerogeophysikalische Expeditionen unternommen. Bell ist Vorsitzende des Polar Research Board der National Academies in den USA und stellvertretende Vorsitzende der Planungsgruppe für das Internationale Polarjahr.
Statt langsam zu schmelzen, könnten die polaren Eisdecken
ins Meer abrutschen und einen raschen katastrophalen
Anstieg des Meeresspiegels auslösen. Der Grund: Schmelzwasser
unter dem Eis wirkt fatalerweise als Schmiermittel.
Noch lebhaft erinnere ich mich an die Vermessungsflüge zum Rand der Antarktis vor gut zwanzig Jahren. Während unsere zum Forschungslabor umgerüstete Lockheed P-3 über die eisige Oberfläche des Weddellmeers glitt, zogen Robben, Pinguine und Eisberge unter uns vorbei. Aus 150 Meter Höhe wirkten sie winzig klein – im Unterschied zu den gigantischen Schelfeistafeln: Auf dem Wasser des Südpolarmeers schwimmend, säumten sie als schier endlose, mehrere hundert Meter dicke Blöcke den Rand des antarktischen Kontinents.
Doch 1987 öffnete sich entlang der Kante des Larsen-B-Eisschelfs vor der Antarktischen Halbinsel ein gewaltiger Riss, der bedrohlich in der weißen Fläche klaffte. Hatte sich das Meer so stark erwärmt, dass die massiven Eistafeln
nach mehr als 10 000 Jahren ununterbrochener Stabilität zu zerbrechen drohten?
Mitte der 1990er Jahre, knapp ein Jahrzehnt später, entdeckte mein Kollege Ted Scambos vom National Snow and Ice Data Center in Boulder (Colorado) weitere konkrete...
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