In der Spektrogrammmeldung "Kanus, Kultur und Darwin" aus 04/08 zeigt Paul R. Ehrlich, dass man den evolutionären Algorithmus auf die Entwicklung einer Maschine (Kanus der Polynesier) anwenden kann. Dies stellt er der Entwicklung von Schmuck (Ornamente an den Kanus) gegenüber und schließt daraus, dass man die Evolutionstheorie auch auf die kulturelle Entwicklung einer Gesellschaft anwenden könne. Geht das wirklich? Ich glaube nicht ...
Eine funktionierende Maschine in einer Umwelt ist nichts anderes als ein Lebewesen, welches unter den Gegebenheiten der Umwelt optimiert/angepasst wurde. Natürlich kann man dann auch evolutionäre Algorithmen auf die Entwicklung der Technik anwenden (wird so ja im Operations Research gemacht). Die Technik entwickelt sich dann auch zum globalen Optimum hin und stabilisiert sich in diesem Zustand, wenn die Umwelt stabil bleibt.
Aber wie kann man daraus schließen, dass sich auch Kultur (hier die Entwicklung von schmückendem Beiwerk) evolutionär entwickelt? Wo ist da die Optimierung? Wo ist der evolutionäre Druck? Wo ist die Fitnessfunktion? Man kann kulturelle Abhängigkeiten, Stammbäume und Entwicklungswege aufzeigen. Aber man kann daraus noch nicht auf Evolution schließen.
Die in der Meldung dargestellte Schlussfolgerung ist aus meiner Sicht nicht haltbar.
Daniel Schiller, Köln