Der Artikel von Paul Davies könnte kaum unwissenschaftlicher sein. Es gibt keinerlei Hinweise für die puren Vermutungen des Autors, die er folgerichtig ausschließlich im Konjunktiv präsentiert. So wimmelt der Artikel von „könnte, müsste, sollte, würde etc.“, dass es einem naturwissenschaftlich orientierten Leser übel werden könnte. Für die Existenz von wie auch immer gearteten Zellen, die durch andere molekularen Mechanismen gesteuert werden als die uns heute bekannten, ist kein seriöser Beleg in der fachwissenschaftlichen Literatur zu finden. Das hindert den Autor aber nicht daran, mit seinen hochspekulativen Vermutungen hausieren zu gehen.
Alle seriösen Versuche, die von Davies propagierten „Aliens“ aufzuspüren, sind fehlgeschlagen. Experimente mit umgekehrten Chiralitäten (Händigkeiten) von Aminosäuren, Kohlehydraten und Nukleotiden widersprechen bis heute diesen zellulären „Aliens“.
Ebenfalls unerträglich: Auf der Titelseite prangt die Schlagzeile „Relike der 2. Urzeugung könnten noch existieren“. Das ist barer Unsinn, da das irrige Konzept der Abiogenese spätestens seit den Arbeiten von Louis Pasteur widerlegt ist und heute sicherlich ausgeschlossen werden kann.
Prof. Dr. Wolf-Michael Weber, Münster
Antwort der Redaktion:
Sehr geehrter Herr Professor Weber,
danke für Ihre kritischen Anmerkungen!
Wir verstehen uns als ein Magazin, das neben faktengestützten Artikeln gelegentlich auch aktuelle spekulative Themen aufgreift, sofern ernst zu nehmende Forscher sich damit beschäftigen – was hier durchaus der Fall ist. Viele Leser freuen sich, wenn sie über neue Entwicklungen informiert werden, selbst wenn die Inhalte noch nicht in allem abgesichert sind. Wir haben speziell zu diesem Artikel von Wissenschaftlern auch positive Kommentare erhalten. Dass Wissenschaft nicht nur aus der Verkündigung endgültiger Wahrheiten besteht, sondern bisweilen auch aus Debatten und Experimenten über manchmal auch gewagte Hypothesen, haben unsere Leser immer mit großem Interesse verfolgt.
Forschung über außerirdisches Leben wird seit Jahrzehnten betrieben. Darüber hat unser Magazin immer wieder berichtet. Üblicherweise sind es ja Radioastronomen, die jede Teleskopzeit zur Suche nach Außerirdischen für vergeudet halten, weshalb die SETI-Suche heute ja überwiegend privat finanziert wird. Interessant war für uns nun der Ansatz, auch auf der Erde nach bisher unbekannten Lebensformen zu suchen. Es gibt ja seriöse Wissenschaftler, die behaupten, Hinweise auf dergleichen vorlegen zu können. Ob sie damit recht haben oder ihre Befunde sich eines Tages als Artefakte erweisen werden, muss die Zukunft zeigen. Wir können – und möchten – das nicht entscheiden. Dabei ist wie immer der Nachweis besonders schwierig, ob etwas nicht der Fall ist.
Fundiert dürfte an dem Artikel zumindest sein, dass sich die Vorstellungen über die Lebensentstehung in den letzten Jahrzehnten deutlich gewandelt haben. Dazu gibt es inzwischen ja verschiedene biochemische Modelle, von denen mehrere auch plausibel erscheinen.
Wir werden Ihren Brief gerne zur Diskussion stellen.
Mit den besten Grüßen
Reinhard Breuer
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