Wir Menschen haben den Klimawandel mit verursacht, wir werden die Folgen zu spüren bekommen und wir müssen etwas unternehmen, um noch gravierendere klimatische Veränderungen zumindest einzudämmen. Dafür müssen wir insbesondere die Erzeugung und den Verbrauch von menschlich nutzbaren Energieformen überdenken und reformieren.
Aber anstatt diesen längst überfälligen Wandel hin zu einer nachhaltigen Energiepolitik unmittelbar zu fordern, lässt Herr Kleinknecht die in meinen Augen einzig zukunftsfähigen regenerativen Energien als für die nächsten Jahrzehnte nicht realisierbar und konkurrenzfähig links liegen und erörtert im Folgenden die Nachteile einer modifizierten nicht zukunftsfähigen, konventionellen Erzeugungsform gegenüber einer überholten zweiten nicht zukunftsfähigen Form der Stromerzeugung. Dabei werden ausführlich die Probleme bei der angedachten Deponierung des von Kohlekraftwerken erzeugten Kohlendioxids aufgezeigt, das mindestens genauso ungelöste Problem der Endlagerung von radioaktivem Abfall wird allerdings nicht einmal erwähnt, ganz zu schweigen von der permanenten Bedrohungslage angesichts eines möglichen GAUs in einem AKW, dessen Wahrscheinlichkeit zwar noch so gering sein mag, der aber dennoch unverantwortlich bleibt.
Des Weiteren erscheint mir die Gegenüberstellung von hochsubventioniertem regenerativ erzeugtem Strom einerseits und billigem Atomstrom andererseits angesichts der enormen Subventionen, die seit 50 Jahren in die Kernkraftindustrie fließen, etwas unfair.
Natürlich ist ein grundlegender Wandel zu einer nachhaltigen Energieversorgung aus regenerativen Energieformen eine gewaltige Herausforderung, aber angesichts seiner unausweichlichen Dringlichkeit sollte man ihn nicht so einfach kurzfristig über Bord werfen. Es gibt alternative Vorstellungen zu 80.000 Windrädern: Den Energiebedarf durch Einsparungen in allen Bereichen erst einmal heruntergeschraubt, ist eine Versorgung durch einen breit gefächerten Mix aus dezentralen Windkraft-, Geothermie-, Solarthermie-, Biomasse-, Wasserkraft- und Photovoltaikanlagen in Kombination mit kleinen Gaskraftwerken mit Kraft-Wärme-Kopplung durchaus schon eher vorstellbar.
Und man sollte bedenken: Jede Investition in eine nicht zukunftsfähige Art der Energieerzeugung – und dazu zählt auch die Laufzeitverlängerung der AKWs – verzögert diesen notwendigen Wandel hin zu einer nachhaltigen Versorgung mit 100 % regenerativen Energien.
Julian Maguhn, Freising
Antwort der Redaktion:
Antwort des Autors:
Ich unterstütze den Ausbau der erneuerbaren Energiequellen; natürlich wird auf ganz lange Sicht dieser Übergang geschehen. Aber was sie falsch verstanden haben: hier geht es um das ganz konkrete von der Politik angesteuerte Ziel, die CO2-Emissionen in Deutschland bis 2020 um 30 % zu senken. Und da stelle ich nüchtern fest, dass dieses Ziel nicht erreicht werden kann, wenn man die Kernkraftwerke abschaltet und ihre Stromerzeugung notwendigerweise aus neuen Kohlekraftwerken beziehen muß, ohne die alten abzuschalten. Denn die erneuerbaren Energien können bis 2020 höchstens 20 % unseres Stroms erzeugen, selbst mit großen Milliarden-Subventionen, und auch wenn Sie die ganze Liste ihrer Vorschläge verwirklichen könnten. Es geht um die konkreten Zahlen, und da wird in den 12 Jahren , die uns bis dahin bleiben, weder die Photovoltaik (jetzt 0,4 %) noch die Geothermie (jetzt etwa 6 Megawatt Leistung, also im Zehntel-Promille-Bereich) noch die Kraft-Wärme-Kopplung etwas ändern können, leider!
Deshalb brauchen wir als Brückenenergie die Kernenergie für die nächsten 30 Jahre, um den Jahrzehnte dauernden Prozess des Übergangs zu den erneuerbaren möglich zu machen.
Und zu den Risiken: das Risiko des Klimawandels durch die Endlagerung von jährlich 28 Milliarden Tonnen CO2 in der Atmosphäre ist viel größer als das der Endlagerung von einigen Tausend Tonnen abgebrannter Brennstäbe im Salzstock. Das sehen alle Industrienationen in Europa so, auch die bekanntlich an ihrer Sicherheit sehr interessierten Schweizer, die 50% ihres Stromes in Kernkraftwerken erzeugen. Sind die verantwortungslos?
Prof. Konrad Kleinknecht
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