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Der Bär ist wieder da
Aber seine Lage in Mitteleuropa ist nach wie vor prekär,
ebenso die von Luchs und Wolf.
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Was ist das Smaragd-Programm? Der
Smaragd steht für "edel" und "grün".
Gemeint sind die "besonders wertvollen"
unter den wild lebenden europäischen
Tier- und Pflanzenarten, deren Erhaltung
sich die Berner Konvention von 1979 zum
Ziel gesetzt hatte. Rund 50 Staaten sind ihr
beigetreten. Die Europäische Union machte
daraus mit ihrer FFH-Richtlinie ("Fauna-
Flora-Habitat") eine bürokratisch-trockene
und heftig umstrittene Version.
Vielleicht hatte man sie damals, vor 30
Jahren, schon für ziemlich hoffnungslos verloren
gehalten, die Bären, Wölfe, Luchse, Biber
und Adler. Am Rand des Aussterbens
waren sie, doch fast alle kamen sie wieder.
So unerwartet sogar, dass manche ihren
Vorstoß in die frühere Heimat nicht überlebten.
Bruno, der junge Braunbär aus Oberitalien,
hatte keine Chance in Bayern, weil
er sich in der Menschenwelt zu bärenhaft
verhalten hatte. Um das Überleben seiner
Verwandten in der Schweiz ringt man noch.
Wölfe leben schon seit Jahren wieder in
kleinen Rudeln im Osten Deutschlands, wo
man ihnen den nötigen Freiraum lässt. Andere,
wie der Biber, feiern ein spektakuläres
Comeback: In Europa gibt es inzwischen so
viele von ihnen wie seit einem halben Jahrtausend
nicht mehr, allein in Süddeutschland
wohl an die 10 000. Im ganzen ehemaligen
Verbreitungsgebiet gibt es kaum noch
ein unbesetztes bibertaugliches Gewässer.
Klagen über Biberschäden bestätigen den
Erfolg der Wiedereinbürgerung.
Auch dem Kolkraben wird schon wieder
wie in früheren Zeiten mancher "Mord" angelastet.
Der Steinadler, dessen Brutreviere
bereits fast komplett den Alpenraum überdecken,
wird wie anno dazumal des Raubs
an Lämmern bezichtigt. Dem noch größeren
Bartgeier stand sein alter Name Lämmergeier
lange im Weg. Mittlerweile ist seine Wiederansiedlung
gelungen. In einer Zeit allgemeinen
Klagens, es gehe abwärts mit der
Natur, sind das erstaunliche Erfolge.
Dennoch sind nach wie vor viele Arten
selten und in ihrem Fortbestand bedroht.
Doch wen kümmern Goldruten-Mönch oder
Lößsteppen-Silbereule? Das sind Schmetterlinge
aus der Gruppe der Eulenfalter, die nur
wenige Spezialisten kennen. Auch all die anderen
Unbekannten der "Roten Liste gefährdeter
Arten" haben nichts von ihrer Einstufung,
im Gegenteil: Man möchte sie am
liebsten loswerden, wenn sie, wie das immer
wieder geschieht, als zweifelhafte Begründung
zur Verhinderung oder Aufschiebung
von Baumaßnahmen herangezogen werden.
Wirksamer Artenschutz braucht gut bekannte
Tiere und Pflanzen, die geschätzt
werden und die man nicht missen möchte.
Die Schweiz hat deshalb aus guten Gründen
die ursprüngliche Bezeichnung »Smaragd-
Programm« beibehalten.
Hansjakob Baumgartner, Zoologe und
seit 30 Jahren Wissenschaftsjournalist, behandelt
in diesem Buch beispielhaft und
vorbildlich 23 Säugetier- und Vogelarten.
Dabei geht es vor allem um die Probleme,
die mit Schutz und Förderung dieser Tiere
verbunden sind. Viele Landwirte, Jäger und
Fischer mögen weder Bär und Wolf noch
Luchs, Otter und andere "Räuber". Biber
fällen Bäume und machen sich damit nicht
nur Freunde. Den harmlosen Arten wie den
Fledermäusen fehlt es hingegen an geeigneten
Quartieren, in denen sie übertagen,
überwintern und ihre Jungen zur Welt bringen
können.
Vogelarten wie der Mittelspecht und
der Gartenrotschwanz brauchen passende
Baumtypen
und Geländestrukturen. Entsprechendes
gilt für Wasser- und Ufervögel
wie Kolbenente und Flussuferläufer. Den
Birkhühnern wachsen die Moore zu, den
Auerhühnern
die Wälder. Andere wie der
Wachtelkönig sind recht unstet in ihren Vorkommen oder wie der Mauerläufer so hoch
spezialisiert, dass für ihn nur hoch gelegene
Felswände als Brutplätze in Frage kommen.
Allein in der Schweiz leben angeblich 500
bis 1000 Brutpaare von diesem vielleicht
merkwürdigsten Vogel der Alpen. Finden
wird man den Mauerläufer trotz seiner auffallend
roten Flügel indessen kaum.
Sämtliche behandelten Arten kommen
auch in Deutschland und in den angrenzenden
Ländern vor. Nahezu alle Kernprobleme
des Naturschutzes lassen sich an
ihnen
aufzeigen: Verfolgung, Störung,
Lebensraumverlust
und -veränderung. Wo,
wie vielerorts in Mitteleuropa, ein Standort
im Grenzbereich eines Artareals liegt, ist es
oft gar nicht möglich, den Hauptgrund für
die Ab- oder Zunahme der entsprechenden
Art an diesem Standort festzustellen.
Das bestens illustrierte Buch informiert
uns sachlich und engagiert. Es nährt die
Hoffnung, dass sich der Artenschutz lohnt,
auch wenn die Lage bei Bär, Wolf und Luchs
noch immer höchst prekär ist – jedenfalls
bei uns. Denn in Deutschland, Österreich
und in der Schweiz entscheiden über die
Wiederkehr der Großtiere die Wirtschaftszweige
Jagd, Fischerei, Land- und Forstwirtschaft.
Die "Ökologie" ist dabei meistens
ebenso wenig gefragt wie die Meinung der
Bevölkerung.
Josef H. Reichholf
Der Rezensent ist Professor für Naturschutz an der Technischen Universität München und Leiter der Zoologischen Staatssammlung
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