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THE LANCET   19.09.08
 
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Im Kindesalter verabreichtes Paracetamol erhöht Risiko allergischer und asthmatischer Erkrankungen

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Im ersten Lebensjahr oder auch später im frühen Kindesalter gegebenes Paracetamol erhöht das Risiko für Asthma, allergischen Schnupfen und Ekzeme im Alter von sechs Jahren, folgern Professor Richard Beasley vom Medical Research Institute of New Zealand und Kollegen in einem Artikel der aktuellen Asthma-Sonderausgabe.

Als Teil der dritten Phase des Programms 'International Study of Asthma and Allergies in Childhood' (ISAAC) beantworteten Eltern oder Erziehungsberechtigte von sechs- bis siebenjährigen Kindern schriftliche Fragebögen zu Symptomen von Asthma, Bindehautentzündungen und Ekzemen wie auch zu mehreren möglichen Risikofaktoren. Dazu zählte der Gebrauch von Paracetamol zur Fiebersenkung im ersten Lebensjahr der Kinder sowie die Häufigkeit der Paracetamol-Gaben während der letzten 12 Monate. Mehr als 200 000 Kinder aus 73 Zentren in 31 Ländern wurden somit analysiert.

Die Forscher stellten fest, dass die Verwendung von Paracetamol zur Fiebersenkung im ersten Lebensjahr mit einem um 46 Prozent erhöhten Risiko asthmatischer Symptome bei sechs- bis siebenjährigen Kindern verknüpft war. Die akute Verwendung des Medikaments (d.h. Gabe während der letzten zwölf Monate) war mit einem dosisabhängigen Risiko asthmatischer Symptome verknüpft; moderater Gebrauch erhöhte das Risiko um 61 Prozent, hohe Dosierung um mehr als das Dreifache. Paracetamol-Gaben konnten zudem mit einem um 22 bis 38 Prozent höheren Risiko für schwere Asthmaanfälle in Verbindung gebracht werden. Im ersten Lebensjahr gegebenes Paracetamol erhöhte das Risiko eines allergischen Schnupfens um 48 Prozent, das eines Ekzems um 35 Prozent. Vergleichbar dem Asthma verstärkte in den vergangenen zwölf Monaten genommenes Paracetamol die Risiken für allergischen Schnupfen und Ekzeme in Abhängigkeit von der Dosierung. Moderate Verwendung erhöhte das Risiko von Ekzemen um 18 Prozent und das eines allergischen Schnupfens um 32 Prozent, bei häufigem Gebrauch jedoch wurde das Risiko für Ekzeme nahezu verdoppelt und das eines allergischen Schnupfens nahezu verdreifacht.

Die Autoren folgern: "Im ersten Lebensjahr und auch später im Kindesalter verabreichtes Paracetamol ist mit einem Risiko für Asthma, allergischen Schnupfen und Ekzemen im Alter von sechs bis sieben Jahren verknüpft. Wir weisen darauf hin, dass gegebenes Paracetamol ein Risikofaktor für die Entwicklung einer asthmatischen Erkrankung im Kindesalter sein könnte."

Die Forscher fügen hinzu: “Wir betonen, dass die Ergebnisse ein Absetzen des Paracetamols in der Kindheit nicht begründen. Paracetamol bleibt das bevorzugte Medikament, um Schmerzen und Fieber bei Kindern zu lindern. Allerdings unterstützen die Ergebnisse die gegenwärtigen Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation WHO, die empfehlen, dass Paracetamol nicht routinemäßig verwendet werden, sondern nur für Kinder mit hohem Fieber (38,5 Grad Celsius oder höher) vorbehalten sein sollte. Der Grund, warum Paracetamol das bevorzugte Medikament zur Fiebersenkung bei Kindern wurde, bestand im Risiko eines Reye-Syndroms, einer seltenen, jedoch schwerwiegenden Komplikation bei kindlichen Behandlungen mit Aspirin. Internationale Richtlinien zu Asthma empfehlen, dass Paracetamol für asthmatische Kinder und Erwachsene gleichermaßen das bevorzugte Medikament zur Linderung von Schmerzen oder Fieber sein sollte. Paracetamol ist auf Grund des Risikos, dass Aspirin oder andere nichtsteroidale entzündungshemmende Medikamente (NSAIDs) wie Naproxen und Ibuprofen Asthma-Attacken auslösen können, das empfohlene Medikament für Asthmatiker."

In einem begleitenden Kommentar bemerkt Professor R. Graham Barr von der New Yorker Columbia University: "Der von Beasley und Kollegen hervorragend zusammengefasste Bericht zur dritten Phase der ISAAC-Studie stellt den bislang umfangreichsten und wichtigsten Beitrag zur wachsenden Literatur zum Thema Paracetamol-Gabe und kindliches Asthma dar. Er endet angemessenerweise mit einer Frage statt mit einer Schlussfolgerung, und diese Frage dreht sich um Ursachen."

Die Autoren des Artikels wie auch des Kommentars stimmen überein, dass weitere Forschung dringend notwendig sei, darunter randomisierte kontrollierte Studien zu den Langzeiteffekten häufigen Paracetamol-Gebrauchs.

Quelle: Richard Beasley and others. Association between paracetamol use in infancy and childhood, and risk of asthma, rhinoconjunctivitis, and eczema in children aged 6–7 years: analysis from Phase Three of the ISAAC programme. Lancet 2008; 372: 1039
 
http://www.thelancet.com
 
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