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Übersicht
Wichtige Multivitamingaben nach Adipositas-Operation Der Fall einer Frau, die nach einer Adipositas-Operation einen Vitaminmangel entwickelte, da sie ihre Multivitaminpräparate nicht einnahm, wird von Dr. Rachel Batterham und Dr. Alberic Fiennes vom Department of Medicine am Londoner University College sowie Kollegen in einem aktuellen Fallbericht erläutert. Die 27-jährige Frau wurde mit einer dreiwöchigen Vorgeschichte mit Benommenheit, geringem Appetit und Erbrechen ins Krankenhaus eingewiesen, nachdem sie sich zwei Monate zuvor einer unkomplizierten Adipositas-Operation am Londoner University College Hospital unterzogen hatte. Nach ihrer Entlassung nach der gewichtsreduzierenden Operation wurde ihr die Standardbehandlung aus Multivitaminen und Lansoprazol verschrieben, einem Medikament, das die Säureproduktion des Magens hemmt. Gemäß der Untersuchung hatte sie einen erhöhten Puls und litt unter Dehydrierung, außerdem wurde zunächst eine blockierte Magenentleerung in den Darm diagnostiziert, wobei eine Endoskopie (Einführen einer Kamerasonde in den Magen) keine nennenswerten Ergebnisse lieferte. Seit der Operation hatte die Frau nahezu 20 Kilogramm Gewicht verloren, außerdem bestätigten Bluttests die Dehydrierung. Sie erhielt intravenös Glukoselösung und trank zuckerreiche Energiedrinks. Am folgenden Tag fühlte sie sich benommen und kollabierte mit extrem niedrigem Blutdruck in der Dusche. Weitere Untersuchungen zeigten abnorme Augenbewegungen, gesteigerte Reflexe der Arme, Schwäche der Oberschenkelmuskulatur sowie verringertes Tastempfinden, was letztendlich zur Diagnose eines Thiaminmangels (Vitamin B1) führte. Eine intravenöse Verabreichung des Thiamins wurde gestartet, und die Patientin erholte sich vollständig. Sie bekannte, die Multivitaminpräparate nicht eingenommen zu haben. Nach einer Adipositas-Operation sind Vitaminergänzungen notwendig, um den Mangel der dem Körper über die Nahrung zugeführten Vitamine auszugleichen. Die gesamten Vitamin-B1-Vorräte des Körpers reichen für 18 bis 60 Tage aus, ein Mangel kann jedoch zu ödematöser Beriberi (Herzkreislauf-Probleme), zur neurologisch betonten Beriberi (Probleme des Nervensystems) oder zu einer Wernicke-Enzephalopathie (akute, durch Probleme der Augenbewegung charakterisierte neurologische Störung) führen. Die in dem Fallbericht beschriebene Frau zeigte Symptome aller drei Erkrankungen. In Ländern mit hohem Einkommensstatus ist ein Vitamin-B1-Mangel häufig mit chronischem Alkoholmissbrauch verknüpft, findet sich jedoch auch bei Personen mit ständig eingeschränkter Ernährung, mit Magen-Darm-Störungen, Krebs, Aids, schweren Infektionen und Nierenerkrankungen. Der Thiaminmangel kann jedoch auch nach Adipositas-Operationen auftreten. Die Autoren folgern: "Die Wernicke-Enzephalopathie entsteht meistens vier bis zwölf Wochen nach einer solchen Operation, hauptsächlich bei Personen, die pro Monat mehr als sieben Kilogramm Gewicht verloren haben. Eine Glukose-Verabreichung kann einen Thiaminmangel sofort herbeiführen, wahrscheinlich durch Verbrauch der restlichen Vorräte. Wird ein Thiaminmangel vermutet, so sollte der Patient erst Thiamin erhalten, bevor Glukose gegeben wird." Die Autoren fügen hinzu: "Die Adipositas-Operation kommt immer häufiger zur Anwendung, da sie die einzig wirksame Behandlung der morbiden Fettleibigkeit darstellt und Sterblichkeit sowie mit der Fettleibigkeit verknüpfte Krankheiten verringert. Unser Fall betont die Wichtigkeit der Vitaminergänzung und die Überwachung des Thiaminspiegels in dieser Patientengruppe. Mit Blick auf die nichtspezifische Natur dieses anfänglichen Beriberi-Krankheitsbildes sollte ein niedriger Schwellenwert für intravenöse Thiamin-Verabreichung eingeführt werden, insbesondere vor glukosereichen Gaben bei postoperativen Adipositas-Patienten. Dies könnte in der Tat Leben retten." Quelle: Suehana Rahman and others. Can glucose make you faint?. Lancet 2008; 372: 1358 http://www.thelancet.com |
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